Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
U. Keller-Stenger & Dr. med. vet. L. Bieringer

Bretzfelder Str. 5      74626 Bretzfeld-Adolzfurt
Tel.: 07946 - 94 00 49

Aktivprogramm für Kaninchen

So füttern Sie artgerecht und fördern die Bewegungsfreude Ihrer Kaninchen

Übergewicht spielt bei den wilden Verwandten unserer Hauskaninchen keine Rolle. Als Beutetiere sind sie meist "auf der Flucht". Selbst während der Nahrungssuche und -aufnahme sind sie ständig in Bewegung. Schutz und Quartier bieten ihnen aufwendig angelegte Tunnel- und Höhlensysteme, die regelmäßig erweitert werden. Kaninchen stammen ursprünglich aus kargen Gegenden mit nur spärlicher, qualitativ minderwertiger Pflanzenwelt. Ihr Verdauungssystem ist deshalb so angelegt, dass aus rohfaserreichem Futter der maximale Nährwert entzogen werden kann.
Hauskaninchen erhalten dagegen häufig zu viel falsches Futter. Handelsübliche Pellets und bunte Mischfutter sind meist rohfaserarm und haben einen zu hohen Nährwert und Energiegehalt. Da zucker- und stärkehaltige Anteile bevorzugt aufgenommen werden, verhindert das den notwendigen Zahnabrieb und stört die Verdauung. Dies führt auch zu Vitaminmangel. Dies hat auch Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere. Kaninchen, die hauptsächlich Kraftfutter bekommen und entsprechend wenig Zeit für die Nahrungsaufnahme benötigen, neigen eher zu Verhaltensstörungen und erhöhter Aggressivität.

Was Hauskaninchen brauchen

Kaninchen brauchen frische, ungespritzte Gräser und Kräuter. Heu sollte täglich frisch in der Raufe angeboten werden. Löwenzahn ist eine willkommene Delikatesse genau wie Möhren mitsamt Grün. Täglich frisches Wasser soll dabei angeboten werden. Obst und getrocknetes Brot sind sehr zuckerhaltig und sollten möglichst vermieden werden. Getrocknete und frische, ungespritzte Obstbaumzweige sind dagegen eine gesunde Bereicherung des Speiseplans. Wenn Sie Ihrem Kaninchen ein gesünderes Leben gönnen wollen, dann stellen Sie aber bitte das Futter nicht radikal um. Besonders an frisches Grün muss sich der Darm langsam gewöhnen. Allmählich können Sie die Menge des Körnerfutters reduzieren.
Nicht nur falsches und zu viel Futter führt zu Übergewicht, sondern auch Bewegungsmangel, unter dem viele unserer Hauskaninchen leiden. Die Folgen sind oft deformierte Knochen und Muskelschäden.
Optimal für die artgemäße Bewegung ist ein Außengehege mit festen, wetterbeständige Häusern und Grabmöglichkeiten wie im richtigen Kaninchenleben. Dieses muss ausbruchsicher und vor Feinden, wie Hund oder Katze und vor Greifvögeln geschützt sein. Mit Tonröhren, Heuraufen, Ästen und Baumstämmen können Sie eine richtige Kaninchenlandschaft gestalten.
Kaninchen brauchen die Gesellschaft mindest eines weiteren Kaninchens. Natürlich kann nicht jeder seine Kaninchen in der Wohnung halten, aber auch für die Wohnungstiere gibt es viele Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. In einem Käfig, in dem Kaninchen mindestens drei Hoppelsprünge machen können, sind Voraussetzung. Die Käfighöhe sollte eine 2 Etage haben und das Sitzen auf den Hinterbeinen erlauben.
Im Käfig gehaltenen Tiere brauchen mindestens einmal am Tag Freilauf. Da sie nicht nur Ihre Wohnungseinrichtung beschädigen können, sondern auch sich selbst Schaden zufügen können (z. B. Teppich fressen, Elektrokabel anknabbern), sollten sie unter Aufsicht bleiben.
Auch Wohnungskaninchen sollten die Möglichkeit zum Graben bekommen (hohe Kiste mit Sand und Heu) und sich auch mal von dem Partner zurückziehen können (kleine Holzhäuser, Röhren).
Spielzeug, bevorzugt solches von Katzen, kann für Kaninchen, die von klein an daran gewöhnt wurden, attraktiv sein und Abwechslung in den Tagesablauf bringen.
Hängen Sie Futter, z. B. Möhrengrün an der Käfigdecke auf, damit sich Ihr Kaninchen, wenn es fressen möchte, im wahrsten Sinne des Wortes strecken muss. Verstecken Sie z. B. Möhren oder Heu in Haushalts- oder Toilettenpapierrollen. Sie können in Ihrer Wohnung auch einen kleinen Hindernisparcours aufbauen und Ihrem Kaninchen beibringen, durch Röhren zu laufen oder niedrige Hindernisse zu überwinden. Bitte beachten Sie aber, dass Kaninchen keine geborenen Hochspringer sind, sondern sich durchs Leben hoppeln. Nur in äußersten Notfällen - auf der Fluch oder in Panik - sind sie zu spektakulären Sprüngen fähig, wobei sie sich nicht selten bei der Landung erheblich verletzen.
Eine weitere Möglichkeit, Ihrem Kaninchen Bewegung zu verschaffen, ist das vorsichtige Gewöhnen an Geschirr und Leine für kurze Spaziergänge, bei denen aber immer Ihr Kaninchen die Richtung bestimmen sollte.
Sie können Ihrem Kaninchen auch kleine Tricks beibringen, wie z. B. "Männchen machen" oder auf Kommando in eine Transportbox laufen (sehr nützlich für Tierarztbesuche). Das gewünschte Verhalten, wenn es von allein gezeigt wird, mit einem entsprechenden Kommando und einer sofortigen Belohnung kombinieren. Heben Sie ihm einen kleinen Leckerbissen über den Kopf, sodass es sich aufrichten muss, um ihn zu erreichen. Im gleichen Moment sagen Sie z. B. "Sitz" und geben den Leckerbissen. Diese Übung muss dann oft genug wiederholt werden, damit Ihr Kaninchen lernen kann, was das Wort "Sitz" bedeutet.
Es gibt vieles, was Sie tun können, um Ihren Kaninchen ein möglichst artgerechtes und gesundes Leben zu bieten, in dem das Thema Übergewicht keinen Platz mehr hat!

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