Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
U. Keller-Stenger & Dr. med. vet. L. Bieringer

Bretzfelder Str. 5      74626 Bretzfeld-Adolzfurt
Tel.: 07946 - 94 00 49

Unsere Tipps zur Kaninchen-Haltung

Sind Kaninchen Einzelgänger?

Kaninchen sind gesellige Tiere, die in der Natur stets in Kolonien zusammenleben. Sie kuscheln gerne zusammen, putzen sich gegenseitig und hoppeln munter umeinander. Alle Kaninchen haben aber auch ein ausgeprägtes Revierbewusstsein. Das Leben in der Kolonie wird durch eine Rangordnung geregelt. Zwei unkastrierte männliche Tiere sind nicht zu empfehlen. Ein kastrierter Rammler allerdings lebt häufig friedlich mit ein oder mehreren Häsinnen zusammen, so dass man vor unerwünschtem Nachwuchs sicher ist. Gleichwohl muss ein genügend großes "Territorium" vorhanden sein - ab 12m² kann von artgerechter Haltung gesprochen werden! Im Ausnahmefall kann auch die Gemeinschaft mit Meerschweinchen funktionieren, gleichwohl es natürlich unterschiedliche Tierarten mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Sprachen etc. sind.

Das Kaninchenheim

Ist eine Einzelhaltung unumgänglich, muss der Käfig ein Mindestmaß von 80 cm Länge und 60 cm Breite haben. Da sich Kaninchen auf die Hinterbeine stellen, muss der Käfig bei Zwergkaninchen mindestens 45 cm hoch sein. Als Einstreu eignen sich Stroh, Heu und Handelsware, die mind. 7 cm hoch eingestreut wird. Wildkaninchen sind Höhlenbewohner, und auch Zwergkaninchen fühlen sich geborgener, wenn es eine Zufluchtsmöglichkeit gibt. Sorgen Sie daher für genügend Versteckmöglichkeiten. Auch Außenhaltung ist gut möglich, Aus- (Ausgraben) und Einbruch (fremde Tiere) muss vermieden werden. Das Gehege ist zugluftgeschützt und frostsicher auszustatten.

Gesunde Ernährung hält fit

Rohfaserreiches Heu reguliert durch seine vielen Ballaststoffe die Verdauung Ihres Kaninchens. Daher muss die Heuraufe immer gut gefüllt sein, auch nachts, gleich was es noch zu fressen erhält. Gleichzeitig sorgt das Mahlen des Heus für den nötigen Abrieb der ständig wachsenden Zähne
Alle Kaninchen mögen frische Grünpflanzen, frisches Gemüse und etwas Obst. Wertvolle Futterpflanzen sind Löwenzahn, Wiesengras, Spitzwegerich, Gänsefuß, Huflattich, Schafgarbe, Kamille usw.. Geeignetes Gemüse und Kräuter sind sämtliche Wurzelgemüse (Karotte, verschiedene Rübenarten), Fenchel, Spinat oder Mangold, Salat, Chicorée, Broccoli, Petersilie, Dill, Liebstöckel (Maggikraut), Salbei. Obst wie Apfel oder Birne werden oft gerne akzeptiert. Ab und zu darf es auch mal eine gekochte Kartoffel oder Knäckebrot geben.
Viele im Zoofachhandel angebotene Kraftfutter enthalten zuviel Getreide und zuwenig Rohfaser. Diese energiereiche Kost darf deshalb nur sparsam dosiert gefüttert werden, sonst verfettet Ihr Zwergkaninchen zu schnell. Beobachten Sie, ob Ihr Kaninchen eine Tagesration komplett auffrisst oder nur die "Leckerlies" (fettarme Getreideflocken) heraussucht, aber die gesunden rohfaserreichen Grünpellets liegen lässt. Dann die Futterreste nicht wegschütten und die Schüssel neu füllen. Warten Sie statt dessen bis Ihr Zwerg aufgefressen hat. Im Durchschnitt genügt 1 Teelöffel (!) Fertigfutter täglich.... Ein zuviel an Luzerne kann Blasensteine hervorrufen
Die Futteraufnahme muss rund um die Uhr möglich sein. Kaninchen fressen ihren "Nachtstuhl"! Bei diesem zweiten Verdauungsgang werden lebenswichtige Nährstoffe aufgeschlüsselt und verdaut.

Wie gehe ich mit dem Tier um?

Kaninchen sind trotz ihrer Geselligkeit sehr schreckhaft und reaktionsfreudig, zuzeiten auch aggressiv. Sie können - bedingt durch ihre Anatomie - massive Sprung- bzw. Abwehrbewegungen durchführen. Beim Herausheben aus dem Käfig ist deshalb Vorsicht geboten, möglichst von oben und mit Unterstützung des Hinterteils. Kaninchen sind bewegungsfreudige Tiere, daher brauchen sie täglich Auslauf in der Wohnung oder noch besser an der frischen Luft. Beim Freilauf in der Wohnung muss darauf geachtet werden, dass Kabel und Teppiche gerne angeknabbert werden.
Kaninchen können "stubenrein" werden. Stellen Sie am besten eine Schale mit Einstreu an eine leicht zugängliche Stelle auf.

Ein besonderer Hinweis

Besonders in der warmen Jahreszeit muss auf die Stallhygiene und Sauberkeit geachtet werden! Schmeißfliegen legen schnell ihre Eier auf verschmutztes Fell oder unsaubere, nasse Einstreu. Aus diesen entwickeln sich je nach Außentemperatur innerhalb von Stunden bis einem Tag Maden, die verheerende Wunden verursachen. Deswegen die dringende Bitte: Nehmen Sie Ihr Kaninchen einmal am Tag hoch und schauen Sie sich Ihr Tier genau an. Bei zuviel oder nassem Grünfutter kann es mal zu weicherem Stuhlgang kommen, in dem das Kaninchen dann sitzt. Waschen Sie dem Kaninchen gegebenenfalls die Analregion mit einem warmen Waschlappen sauber. Danach einfach mit einem Handtuch abtrocknen. Zusätzliche Vorbeuge ist die Ausstattung der Käfigwände mit Fliegengitter oder Gardinenstoff...

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